DIE EINHEIT DER MENSCHHEIT: REISEN ALS BILDUNGSERFAHRUNG

Als ich mit der Uni fertig war, bin ich nach Regensburg, in Deutschland, gefahren. Die Stadt kannte ich nicht – ich hatte nur ein paar coole Geschichte darüber gehört – und natürlich keinen Mensch. Ich habe in einer Woche ein Zimmer in einer WG und einen Job als Kellnerin gefunden. Ich hatte keinen genauen Plan und keine festgelegte Rückkehr. Ich wollte etwas Neues erleben.

 

Und neu war ja alles: die Leute, die Straßen, die Wohnung, die Arbeit, sogar die Lebensmitteln im Supermarkt waren neu! Und die Sprache war für mich nicht ganz eindeutig, denn in der Uni lernt man keine Umgangsprache und Bayrisch ist verdammt anders als Deutsch.

Das war schon aufregend, aber teilweise auch anstrengend. Mehr als einmal habe ich mich einsam gefühlt und habe meine Freunde in Italien vermisst, vor allem weil ich auf Deutsch meine Meinung nur oberflächlich ausdrücken konnte.

 

Trotzdem ist die in Regensburg eine der wertvollsten Erfahrungen meines Lebens.

 

Mich in einer anderen Kultur und Umgebung zurechtzufinden, hat mein Selbstvertrauen verstärkt. Es war auch das erste Mal, wo ich nicht mit meinen Eltern wohnte. Plötzlich hatte ich eine Miete und eine Vollzeitarbeit mit neuen Kollegen bei einem strengen Chef, ich musste mich bei der Bürgerbüro und bei einer Krankenkasse anmelden… mit solchen Sachen hatte ich mich sogar nie in Italien beschäftigt!

 

Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen, wo jeder kennt jeden Mensch und seine Familie. In Regensburg war ich wie ein ganz neuer Mensch und habe meine Identität ausgesucht. Teilweise habe ich mich in Regensburg anders als sonst verhalten und dabei habe ich mich noch besser als sonst gefühlt!

Meine Freunde habe ich auch ausgewählt und tiefe Freundschaften haben sich trotz der Sprache entwickelt.

 

Habt ihr es auch schon mal gehört, die Deutschen seien kalte Menschen? Das ist ein Klischee, das ich bald infrage gestellt habe. In Regensburg umarmt man sich als Begrüßung, in den Wohnungen sind Partys für alle geöffnet – solange sie ein paar Bier mitbringen – und die Leute sitzen im Zimmer und reden gern stundenlang mit Freunden.

 

Nicht nur habe ich in Regensburg meine eigene Sprachkenntnisse verbessert, sondern habe ich auch meine eigene Horizont erweitert und etwas über mich selbst gelernt. Ich habe auch das Gefühl erlebt, die Einheit der Menschheit und der Welt: trotz der Distanz und trotz der Kultur sind wir alle Teil des Ganzes.

Seid ihr davon nicht überzeugt? Stellt dann durch eine Reise eure Meinung infrage!

Vanessa Verzeletti, insegnante di inglese e tedesco presso Centro Studi Ad Maiora